Immer weniger Genossen

Noch im März des letzten Jahres hatte der Bundesgeschäftsführer der Partei Die Linke verkündet, dass nun endlich der stetige Mitgliederverlust gestoppt werden konnte. Und die Sozialisten, das erste Mal seit ihrer Gründung im Jahre 2007, einen realen Mitgliederzuwachs zu verzeichnen hätten. Zumindest für die ersten drei Monate des letzten Jahres mag dies auch richtig gewesen sein. Nach den nun veröffentlichen Mitgliederzahlen zum Stichtag 31.12. war dies wohl nur ein statistisches Strohfeuer. Auch 2014 hat die Partei wieder rund 5% der Mitgliedschaft eingebüsst. Weiterlesen

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Manfred Sohn beendet seinen Ausflug in Die Linke

Bis vor Kurzem noch war er der Landesvorsitzende der Partei; Im Jahr 2013 führte er als Spitzenkandidat die Fraktion, deren Vorsitzender er war, aus dem Landtag. Nun hat Manfred Sohn Konsequenzen aus dem verlorenen Machtkampf innerhalb des niedersächsischen Landesverbandes gezogen. Mit einer kurzen und knappen Erklärung teilte er seinen Austritt aus der Partei mit. Als Begründung musste ein Artikel der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung herhalten. Diese hatte den niedersächsischen Bundestagsabgeordneten Diether Dehm mit den den Worten zitiert, dass der alte Landesvorstand um Sohn in letzter Zeit nur noch mit theoretischen Fragen beschäftigt gewesen sei. Weiterlesen

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Die Empörten und der Kapitalismus

Quelle: Neuer ISP Verlag

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Empörung und politischer Zorn könnten zur Änderung der sozioökonomischen und politischen Verhältnisse beitragen. Das wusste auch die Empörtenbewegung, die seit diesem Jahrzehnt in Europa und Amerika die herrschenden, hegemonialen Verhältnisse kritisiert und im Besonderen den Kapitalismus. Bislang gab es aber zu dieser noch jungen Bewegung wenig substantielle Literatur, eher tendenziöse Medienartikel. Die spanischen Soziologen Joseph Maria Antentas und Ester Vivas wollen dies ändern und haben das Buch Planeta indignado – Die Welt der Empörten. Ursachen und Perspektiven einer Rebellion vorgelegt; nur leider ist dieses Sachbuch ebenso tendenziös und nur wenig aufschlussreich.

Der Fokus des Buches liegt bei der spanischen Empörtenbewegung, den Indignad@s, wobei das @ zwei Buchstaben, das maskulinen O und das femininen A, symbolisieren soll – und damit beide Geschlechter umfassen will, als emanzipierte Neuerung der spanischen, patriarchalen Sprache. Auch die Bewegung des 15. Mai wird beleuchtet, aber es gibt auch immer wieder Rekurse auf die amerikanische Occupy-Bewegung und das deutsche Pendant Blockupy. Weiterlesen

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Lyrik und Barbarei

Über den Holocaust aus literarischer Perspektive zu schreiben ist schwer, obgleich zahlreiche Werke der deutschen Nachkriegsliteratur genau das versuchten. War dieses Ereignis doch viel schlimmer als ein tragisches Schauspiel, bei dem die Leidtragenden selbst Akteure gewesen wären, und philosophisch oder episch gesehen kein metaphysisches Ereignis, da den Durchführenden des Holocaust jene klassische Fähigkeit des Denkens abhanden kam – wie es auch Hannah Arendt anhand von Adolf Eichmann belegte -, sodass es auch zu keiner Katharsis oder einem intelligent-moralischen Unterhaltungswert kommen kann. Aus der Sicht des Zuschauers lässt sich dies literarisch ohnehin nicht verarbeiten. Ließe sich dann nicht wenigstens mit dem literarischen Genre der Lyrik darüber schreiben?

Theodor W. Adorno hat dies in seinem Buch Kulturkritik und Gesellschaft verneint, denn in einer totalen kapitalistischen Gesellschaft der Massenkultur und Kulturindustrie sei der Geist absolut verdinglicht. Die weltberühmte, zahlreich zitierte und rezipierte Stelle aus diesem Werk lautet:

„Kulturkritik findet sich der letzten Stufe der Dialektik von Kultur und Barbarei gegenüber: nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch, und das frisst auch die Erkenntnis an, die ausspricht, warum es unmöglich ist, heute ein Gedicht zu schreiben.“

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Linke Niedersachsen: Dehm zieht im Landesverband durch!

Der Wahlparteitag des niedersächsischen Landesverbandes der Partei Die Linke endete am vergangenen Wochenende mit keinen größeren Überraschungen. Die eng mit dem niedersächsischen Bundestagsabgeordneten Diether Dehm arbeitenden Kandidaten Herbert Behrens und Anja Stöck konnten sich mit Wahlergebnissen jeweils über 80 Prozent als Landesvorsitzende deutlich durchsetzen. Dehm, der ein Bündnis aus Mitgliedern der „Sozialistischen Linken“, der „Antikapitalistischen Linken“ und weiteren Traditionalisten bzw. trotzkistischen Splittersekten organisiert hatte, war somit der eigentliche Gewinner des Parteitages. Auch bei den Wahlen für den erweiterten Vorstand wurde eine kompromisslose Linie verfolgt. Dieser fielen auch ehemalige Unterstützer und Wegbegleiter Dehms zum Opfer. Weiterlesen

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In eigener Sache: Zum Tode von Karl-Anton Plass

Die Redaktion unseres Internetblogs trauert um Karl-Anton Plass. Karl-Anton war nicht nur ein kritisch solidarischer Begleiter unseres Projekts, sondern steuerte auch eigene Beiträge zu POTEMKIN bei. In diesen Artikeln spiegelte sich seine Hoffnung, dass eine aufgeklärte und bessere Welt möglich ist. Die gesellschaftliche Linke sah er als Mittel und Möglichkeit diese Gesellschaft der Zukunft, diese Anwartschaft auf ein solidarisches Miteinander, zu gestalten.

Seine weitere Leidenschaft galt der Astronomie. Ein Blick in den Nachthimmel erfüllt die, die dies zu schätzen wissen, mit einer wissenden Demut. Diese Demut, aber auch der Stolz am Dasein teilzunehmen, zeichneten Karl-Anton auch in dem Lebensabschnitt aus, der von schwerer Krankheit gezeichnet war.
Karl-Antons ausgleichendes Wesen, sein subtiler Humor und seine uneingeschränkte Solidarität zu Projekten und Menschen, die es nicht darauf anlegen von „Mächtigen“ geliebt zu werden, werden in unserer Redaktion unvergessen bleiben. Wir verlieren nicht nur einen Genossen, sondern auch einen Freund.

Ciao lieber Karl-Anton!

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Kritik der marktkonformen Demokratie

Quelle: Unrast Verlag

Quelle: Unrast Verlag

„Das ist eine parlamentarische Demokratie. Deshalb ist das Budgetrecht ein Kernrecht des Parlaments. Insofern werden wir Wege finden, die parlamentarische Mitbestimmung so zu gestalten, dass sie trotzdem auch marktkonform ist, also dass sich auf den Märkten die entsprechenden Signale ergeben“. Dieses Ausspruch von Bundeskanzlerin Angela Merkel im September 2011 hat heftige Diskussionen ausgelöst, aber trifft einen wunden Punkt, aufgrund der unverhofften Offenheit, mit der sie ausnahmsweise einmal sprach: Unser politisches System entscheidet eher im Sinne des kapitalistischen Marktes als im Sinne des Wählers. Mit dieser Problematik beschäftigt sich auch das von Wolfgang Kastrup und Helmut Kellershohn herausgegebene Buch „Kapitalismus und/oder Demokratie? Beiträge zur Kritik „marktkonformer“ Demokratieverhältnisse.

Ausgangsposition des Bandes ist, dass die Hegemonie des Neoliberalismus prinzipiell sozialstaatliche Demokratien zur Disposition stelle, sich also Demokratie und Kapitalismus voneinander entkoppeln würden, unter Beibehaltung der formalen politischen Funktionsmechanismen. Der Soziologe Colin Crouch nannte dies Postdemokratie und der Philosoph Domenico Losurdo verwendete den Terminus Soft-Bonapartismus. Davon ausgehend wird sowohl auf die steigende soziale Ungleichheit, als auch auf linkssoziale Protestbewegungen sowie rechtpopulistische Reaktionen eingegangen. Weiterlesen

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Rudi Dutschke Gedächtnis Zwerge, versagen auch in Göttingen auf ganzer Linie…

Nach der Wahlpleite des Marx21-dominierten SDS Hannover bei den Studentischen Wahlen 2015 scheitert nun auch der SAV-dominierte SDS Göttingen auf ganzer Line bei den Wahlen zum dortigen Studentenparlament. Weiterlesen

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Kurz notiert: Keine Neuwahl in Hannover

Die Bundesschiedskommission der Partei Die Linke hat auf Antrag des niedersächsischen Bundestagsabgeordneten Dehm das kürzlich ergangene Urteil der Landesschiedskommission kassiert. Damit müssen nun am 5.Februar in Hannover doch keine neuen Delegierten des grössten niedersächsischen Kreisverbandes gewählt werden. Mit den ursprünglich im Dezember bestimmten Delegierten dürfte die Wahl des Bundestagsabgeordneten Herbert Behrens zum Nachfolger des glücklosen Ex-Fraktionsvorsitzenden Manfred Sohn als wahrscheinlich gelten. Behrens wird parteiintern als Wunschkandidat seines Fraktionskollegen Dehm für den am 7.Februar neu zu bestimmenden Vorsitz der Sozialisten in Niedersachsen gehandelt.
(mb)

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Kurz notiert: Meinungsfreiheit, Religion und Leichenfledderei

Der Mangel unserer Zeit ist nicht der Mangel an Meinungen, sondern der Mangel an der Lust einer systematischen Ordnung eigener Erklärungsansätze. Zu diesem Schluss kann zumindest ein jeder gelangen, der sein Denken darin schult eine gewisse Kategorialität einzuhalten. Sie ist Voraussetzung tieferer Erkenntnis. Das Gegenteil von einer nur ungestümen emotionalen Reaktion auf das Verständnis, dass der Mensch und damit seine Konfrontation mit der Wirklichkeit, eingebettet in prozesshafte Abläufe ist, die insofern eine Vorgeschichte haben, als das eigentlich Menschliche das Ergebnis eines Prozesses ist, in dem sich Voraussetzungen zusammengefunden haben, die dieses Eigentliche erst ermöglicht haben. Weiterlesen

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