Tipps aus der antikapitalistischen Krabbelgruppe: Die AKL erklärt sich Brandenburg, Thüringen und den Rest der Welt.

In den neuen Bundesländern hat der Wähler gesprochen. In Brandenburg hat Die Linke als Mitregierungspartei eine empfindliche Niederlage einstecken müssen. In Thüringen hat sie, mit einer klaren Ansage Regierungspartei sein zu wollen, ihr bestes Ergebnis bei Landtagswahlen eingefahren. Nichts Ungewöhnliches also im System parlamentarischer Demokratien. Wähler wechseln ihre Präferenzen, es kommt zum Austausch von Machtoptionen. Im Gegensatz zum Realsozialismus lebt die bürgerliche Moderne von der politischen Flexibilität, der solche Verantwortungswechsel inne sind. Es ist nicht die schlechteste Eigenschaft, die diesem Herrschaftsmodell zu eigen ist. Im besten Fall kann sich eine „abgestrafte“ Partei regenerieren und aus Fehlern lernen. Sie stellt sich neu auf und versucht im nächsten Anlauf gesellschaftliche Mehrheiten und Bündnispartner für ihre Ideen zu gewinnen. Freilich ist eine der Voraussetzungen dafür, dass sie auch bei noch so starken Niederlagen auf der gesellschaftlichen Wahrnehmungsschwelle verbleibt. Allen östlichen Landesverbänden der Partei Die Linke ist genau dies nach schweren Wahlniederlagen gelungen. Mehr noch: Mit vielen tausend kommunalen Mandatsträgern ist die Partei in diesen Bundesländern eine politische Kraft, die aus dem Alltagsleben der Bürgerinnen und Bürger nicht weg zu denken ist. Weiterlesen

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Linke in Regierungen? Oder doch nicht? – Zu den Wahlen in Thüringen und Brandenburg

Mit den gestrigen Wahlen in Thüringen und Brandenburg ist zumindest vorerst das Wahljahr 2014 beendet. Ging es in Brandenburg darum, ob die derzeit einzige Regierungsbeteiligung der Linken fortgesetzt werden kann, standen die Wähler in Thüringen vor einer geradezu historischen Entscheidung. Es galt darüber abzustimmen, ob erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik ein Politiker der Linken reelle Chancen hat das Ministerpräsidentenamt zu erringen. Weiterlesen

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Brandenburg hat gewählt

Zeitgleich mit Thüringen wurde auch in Brandenburg ein neuer Landtag gewählt. Hier warben Ministerpräsident Woidke und Finanzminister Görke für die Fortsetzung der seit 2009 regierenden Koalition aus SPD und Linken. Obwohl das Wahlalter erstmalig auf 16 Jahre gesenkt wurde, beteiligten sich nur noch 47,9% der Wahlberechtigten an der Abstimmung. Weiterlesen

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Thüringen hat gewählt

Die knapp 1,8 Millionen Wahlberechtigten in Thüringen konnten am heutigen Sonntag über die Zusammensetzung ihres neuen Landtages abstimmen. Dabei warb die seit 25 Jahren regierende CDU unter ihrer Ministerpräsidentin Lieberknecht für die Fortsetzung einer Unions-geführten Landesregierung und ihr Herausforderer, der Spitzenkandidat der Linken Bodo Ramelow, für eine Rot-Rot-Grüne Regierungskoalition unter seiner Führung. Nach den derzeitigen Ergebnissen zeichnet sich, bei einer Wahlbeteiligung von nur 52,7%, ein Patt zwischen beiden Möglichkeiten ab. Weiterlesen

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Folter im Film

Quelle: transcript Verlag

Quelle: transcript Verlag

Folter, davon ist der Medienwissenschaftler Reinhold Görling überzeugt, ist ein theatraler und performativer Prozess, zu dem, außer Folterer und Opfer auch immer ein Dritter gehört, eine Instanz, vor der die Tat geschieht, der die Szene der Gewalt präsentiert wird. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Görlings neues gleichnamiges Buch – also Szenen der Gewalt – Folter als einen solchen Akt behandelt und die Verbindung von Folter und Film demonstriert, begonnen bei den Filmen von Roberto Rossellini, die Mitte des zwanzigsten Jahrhundert gedreht wurden, bis hin zu aktuellen Folterdarstellungen bei Kathryn Bigelow und Joshua Oppenheimer.

Die komplexe These Görlings lautet stark zusammengefasst, dass Gewalt das Opfer entstellt und zerstört. Doch dadurch wird auch das Subjekt nur sichtbar in einem performativen Prozess, in dem es in Beziehung mit anderen einen Ausdruck findet. Im Bild der Folter hat der Film diese Grenze der Sichtbarkeit immer wieder thematisiert. So sei der Film seit 1945 in einer Darstellung der Folter vor einem Dritten geboren worden, nämlich eben in Rossellinis Film Roma cittá aperta. Weiterlesen

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Wohin steuert Die Linke?

Seit Jahren hat der Vorsitzende der sächsischen Linken zusammen mit seinen Vertrauten die Partei auf die Übernahme der Regierung in einer Koalition mit SPD und Grünen vorbereitet. Am heutigen Wahlabend dürften diese Blütenträume von Rico Gebhardt und den Reformlinken nicht nur in Sachsen ausgeträumt sein. Aus einer zumindest gefühlten Regierungspartei im Wartestand ist das geworden, was Die Linke an der Elbe objektiv schon seit Jahren ist, eine Partei, die ihren stetigen Abwärtstrend nicht stoppen kann. Weiterlesen

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Sachsen hat gewählt

An diesem letzten Wochenende der Sommerferien waren rund 3,4 Millionen Wahlberechtigte in Sachsen dazu aufgerufen den Landtag neu zu wählen. Die Wahlbeteiligung lag wohl auch aufgrund des ungünstigen Termins mit 49,2% auf einem sehr niedrigen Niveau. Stärkste Kraft im Freistaat bleibt weiterhin die CDU unter dem bisherigen und vermutlich auch zukünftigen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich. Damit kann die CDU ihre bislang schon 24-jährige Regierungstätigkeit fortsetzen. Allerdings muss sie sich dazu einen neuen Koalitionspartner suchen. Die seit 2009 mitregierende FDP konnte nicht wieder in den Landtag einziehen. Weiterlesen

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Lenins Zukunft

Quelle: Laika Verlag

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Wladimir I. Lenin ist momentan nicht gerade en vogue – selbst unter Linken nicht. Zu brutal war sein Vorgehen nach 1917 mit Bürgerkrieg und Gulag, zu skrupellos hat er das Sowjetsystem, das eine Form der direkten Demokratie darstellen würde, der Ein-Parteien-Herrschaft der Bolschewisten geopfert und immer noch wirft man ihm vor, dem Stalinismus den Weg geebnet zu haben; kurz, er wird im gegenwärtigen Diskurs als das Negativbeispiel eines Berufsrevolutionärs angeführt, der alle marxistischen Theoretiker als Utopisten zu diffamieren versucht. Genau das wollen der Editor des Journals Historical Materialsm, Sebastien Budgen, der Politische Theoretiker Stathis Kouvelakis und der Philosoph und Psychoanalytiker Slavoj Žižek mit dem von ihnen herausgebenden Buch Lenin Reloaded. Für eine Politik der Wahrheit ändern, indem sie versuchen, die positiven Seiten des Revolutionärs für den Kampf gegen den globalen Kapitalismus zu reanimieren. Leider sind die meisten der politiktheoretischen und geschichtsphilosophischen Aufsätze in diesem Band miserabel und wegen ihrer Ungenauigkeit und Naivität kaum zu ertragen. Weiterlesen

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Noch kein Wechsel in Sicht

Quelle: Linke Sachsen

Quelle: Linke Sachsen

In 14 Tagen schliessen die Wahllokale im Freistaat Sachsen und beenden damit den ersten von drei Landtagswahlkämpfen diesen Jahres. Wie auch zwei Wochen später in Brandenburg und Thüringen orientiert Die Linke auf eine Regierungsbeteiligung. Nach 25 Jahren CDU-Regierung wollen die Genossen um den Spitzenkandidaten, Landesvorsitzenden und bisherigen Fraktionsvorsitzenden Rico Gebhardt ein Rot-Rot-Grünes Bündnis schmieden. Anders als in Brandenburg, wo die Fortsetzung der Koalition mit der SPD möglich scheint, und Thüringen, wo Die Linke sich sogar Chancen ausrechnet den Ministerpräsidenten zu stellen, ist in Sachsen das Rennen noch offen und eine Regierungsbeteiligung der Sozialisten eher unwahrscheinlich. Weiterlesen

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Die Emanzipation der wilden Hündin

Quelle: Verlag Klaus Wagenbach

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Gewalt und Blut, Geld und Statussymbole, Sex und laute Musik, Drogen und Kriminalität sowie ein verzweifelter Emanzipationsversuch, der einen nur noch mehr ins Unglück stürzt. All das hat der derb-schrille Debütroman Königin und Kojoten von Orfa Alarcón zu bieten. Das Buch ist ein typischer und gelungener Narco-Roman über mexikanische Drogenkartelle, aber mit einigen Schwächen in der deutschen Übersetzung von Angelica Ammar.

Perra brava heißt der Roman im spanisch-mexikanischen Original, was soviel bedeutet, wie wilde Hündin. Dieser Titel passt noch besser zum Buch als das deutsche Pendant. Denn das Motiv der wilden Hündin durchzieht das ganze Werk: etwa mit der Hip-Hop-Musik der Band Cartel de Santa, die es auch in der Realität gibt, die ständig sexistisch und gewaltverherrlichend daher rappt und deren brutaler Anführer MC Babo einen Freund erschoss und auf Kaution, die die Fans aufbrachten, wieder frei gelassen würde – die wichtigsten Protagonisten, darunter auch die Ich-Erzählerin Fernanda und ihr Freund und Gangsterboss Julio verehren Babo natürlich. Das wilde-Hündin-Motiv wird auch anhand des Verhaltens von Fernanda demonstriert: Sie ist die Freundin von Julio, dessen Gruppe sich selbst, in Anlehnung an das Cartel de Santa, die Kojoten nennt. Fernanda, die sich zunehmend im Duktus von Julio und seinen Kojoten verhält, ist dementsprechend eine Hündin, die immer wilder wird (auch im Zuge ihres scheiternden Emanzipationsprozesses), gleichzeitig aber die Prinzessin von Julio und des ganzen Hauses sein will, als einzige Frau. So erklärt sich auch der dennoch gut gewählte deutsche Titel. Weiterlesen

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