Wohin steuert Die Linke?

Seit Jahren hat der Vorsitzende der sächsischen Linken zusammen mit seinen Vertrauten die Partei auf die Übernahme der Regierung in einer Koalition mit SPD und Grünen vorbereitet. Am heutigen Wahlabend dürften diese Blütenträume von Rico Gebhardt und den Reformlinken nicht nur in Sachsen ausgeträumt sein. Aus einer zumindest gefühlten Regierungspartei im Wartestand ist das geworden, was Die Linke an der Elbe objektiv schon seit Jahren ist, eine Partei, die ihren stetigen Abwärtstrend nicht stoppen kann. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Bundespartei, Kommentar, LINKE, LTW14, Rot-Rot-Grün, Sachsen | Hinterlasse einen Kommentar

Sachsen hat gewählt

An diesem letzten Wochenende der Sommerferien waren rund 3,4 Millionen Wahlberechtigte in Sachsen dazu aufgerufen den Landtag neu zu wählen. Die Wahlbeteiligung lag wohl auch aufgrund des ungünstigen Termins mit 49,2% auf einem sehr niedrigen Niveau. Stärkste Kraft im Freistaat bleibt weiterhin die CDU unter dem bisherigen und vermutlich auch zukünftigen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich. Damit kann die CDU ihre bislang schon 24-jährige Regierungstätigkeit fortsetzen. Allerdings muss sie sich dazu einen neuen Koalitionspartner suchen. Die seit 2009 mitregierende FDP konnte nicht wieder in den Landtag einziehen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter LINKE, LTW14, Rot-Rot-Grün, Sachsen, Wahlergebnis | Hinterlasse einen Kommentar

Lenins Zukunft

Quelle: Laika Verlag

Quelle: Laika Verlag

Wladimir I. Lenin ist momentan nicht gerade en vogue – selbst unter Linken nicht. Zu brutal war sein Vorgehen nach 1917 mit Bürgerkrieg und Gulag, zu skrupellos hat er das Sowjetsystem, das eine Form der direkten Demokratie darstellen würde, der Ein-Parteien-Herrschaft der Bolschewisten geopfert und immer noch wirft man ihm vor, dem Stalinismus den Weg geebnet zu haben; kurz, er wird im gegenwärtigen Diskurs als das Negativbeispiel eines Berufsrevolutionärs angeführt, der alle marxistischen Theoretiker als Utopisten zu diffamieren versucht. Genau das wollen der Editor des Journals Historical Materialsm, Sebastien Budgen, der Politische Theoretiker Stathis Kouvelakis und der Philosoph und Psychoanalytiker Slavoj Žižek mit dem von ihnen herausgebenden Buch Lenin Reloaded. Für eine Politik der Wahrheit ändern, indem sie versuchen, die positiven Seiten des Revolutionärs für den Kampf gegen den globalen Kapitalismus zu reanimieren. Leider sind die meisten der politiktheoretischen und geschichtsphilosophischen Aufsätze in diesem Band miserabel und wegen ihrer Ungenauigkeit und Naivität kaum zu ertragen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Ausland, Basisdemokratie, Debatte, Kapitalismus, Kultur, Linke Literatur, Rezension | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Noch kein Wechsel in Sicht

Quelle: Linke Sachsen

Quelle: Linke Sachsen

In 14 Tagen schliessen die Wahllokale im Freistaat Sachsen und beenden damit den ersten von drei Landtagswahlkämpfen diesen Jahres. Wie auch zwei Wochen später in Brandenburg und Thüringen orientiert Die Linke auf eine Regierungsbeteiligung. Nach 25 Jahren CDU-Regierung wollen die Genossen um den Spitzenkandidaten, Landesvorsitzenden und bisherigen Fraktionsvorsitzenden Rico Gebhardt ein Rot-Rot-Grünes Bündnis schmieden. Anders als in Brandenburg, wo die Fortsetzung der Koalition mit der SPD möglich scheint, und Thüringen, wo Die Linke sich sogar Chancen ausrechnet den Ministerpräsidenten zu stellen, ist in Sachsen das Rennen noch offen und eine Regierungsbeteiligung der Sozialisten eher unwahrscheinlich. Weiterlesen

Veröffentlicht unter LINKE, LTW14, Rot-Rot-Grün, Sachsen | 1 Kommentar

Die Emanzipation der wilden Hündin

Quelle: Verlag Klaus Wagenbach

Quelle: Verlag Klaus Wagenbach

Gewalt und Blut, Geld und Statussymbole, Sex und laute Musik, Drogen und Kriminalität sowie ein verzweifelter Emanzipationsversuch, der einen nur noch mehr ins Unglück stürzt. All das hat der derb-schrille Debütroman Königin und Kojoten von Orfa Alarcón zu bieten. Das Buch ist ein typischer und gelungener Narco-Roman über mexikanische Drogenkartelle, aber mit einigen Schwächen in der deutschen Übersetzung von Angelica Ammar.

Perra brava heißt der Roman im spanisch-mexikanischen Original, was soviel bedeutet, wie wilde Hündin. Dieser Titel passt noch besser zum Buch als das deutsche Pendant. Denn das Motiv der wilden Hündin durchzieht das ganze Werk: etwa mit der Hip-Hop-Musik der Band Cartel de Santa, die es auch in der Realität gibt, die ständig sexistisch und gewaltverherrlichend daher rappt und deren brutaler Anführer MC Babo einen Freund erschoss und auf Kaution, die die Fans aufbrachten, wieder frei gelassen würde – die wichtigsten Protagonisten, darunter auch die Ich-Erzählerin Fernanda und ihr Freund und Gangsterboss Julio verehren Babo natürlich. Das wilde-Hündin-Motiv wird auch anhand des Verhaltens von Fernanda demonstriert: Sie ist die Freundin von Julio, dessen Gruppe sich selbst, in Anlehnung an das Cartel de Santa, die Kojoten nennt. Fernanda, die sich zunehmend im Duktus von Julio und seinen Kojoten verhält, ist dementsprechend eine Hündin, die immer wilder wird (auch im Zuge ihres scheiternden Emanzipationsprozesses), gleichzeitig aber die Prinzessin von Julio und des ganzen Hauses sein will, als einzige Frau. So erklärt sich auch der dennoch gut gewählte deutsche Titel. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Ausland, Kultur, Linke Literatur, Rezension | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Bodo soll es richten – Linke in Thüringen startet in heisse Wahlkampfphase

Quelle: Facebook

Quelle: Facebook

Vor dem Erfurter Landtag haben am heutigen Montag der Spitzenkandidat Bodo Ramelow und die Landesvorsitzende Susanne Hennig-Wellsow die Wahlkampagne für die in 40 Tagen stattfindende Landtagswahl vorgestellt. Mit 180 Großflächenplakaten, fast 80.000 A1 Plakaten, 650.000 Wahlzeitungen, 100.000 Themenhandzetteln, 550.000 Bürgerbriefen und 300.000 Kurzwahlprogrammen sollen die Thüringer davon überzeugt werden, dass ein Politikwechsel nach 25 Jahren CDU-Regierung nur dann möglich ist, wenn Die Linke wieder zweitstärkste Kraft wird. Die Themen Wirtschaft, Solidarität, Bildung, Frauen und Sicherheit stehen dabei im inhaltlichen Fokus der Kampagne. Zentrales Thema ist aber der auf allen Plakaten omnipräsente Fraktionsvorsitzende und Spitzenkandidat Bodo Ramelow, der sich gute Chancen ausrechnet in wenigen Wochen der erste linke Ministerpräsident zu werden. Weiterlesen

Veröffentlicht unter LINKE, LTW14, Rot-Rot, Thüringen, Umfrage | Hinterlasse einen Kommentar

Wolfgang Gehrcke (Die Linke) in der Sommerpause! Man(n) wird wohl doch noch mal sagen dürfen…

Es gibt pawlowsche Reflexe, auf die kann gewettet werden. Sobald die Hamas eine militärische Operation beginnt und damit auf Eskalation setzt, um ihr Regime nach Innen und Außen zu legitimieren, ist er da, der Teil der deutschen Linken, der noch in den Kategorien des kalten Krieges denkt.

Einen erneuten Beweis liefert dabei der hessische Bundestagsabgeordnete der Linken, Wolfgang Gehrcke, der auf dem sozialen Netzwerk Facebook einer von ihm verfassten Stellungnahme die Schwere einer Fraktionsverlautbarung zu geben versucht. Dabei dürfte klar sein, dass zumindest ein Teil der Fraktion, diese völlig einseitige und von Verkürzungen lebende Empörungsrhetorik nicht teilt. Denn neben der üblichen antimilitaristischen Gefechtsfeldlyrik, die komischerweise immer nur dann gilt, wenn die Falschen Krieg führen, strotzt die Erklärung vor zugespitzten Schuldzuweisungen, die den Begriff Parteilichkeit auf neue Weise zu denken gebieten. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Antisemitismus, Bundespartei, Bundestagsfraktion, Hessen, Kommentar, LINKE | 1 Kommentar

Vom Ende der liberalen Enthaltsamkeit

Bildquelle: Suhrkamp Verlag

Bildquelle: Suhrkamp Verlag

Es gilt als Konsens des Liberalismus, dass die Politik, der Staat, der Souverän, wer auch immer das sein sollte, sich aus dem Privatleben der Menschen – ob in Individuum oder der Gemeinschaft von Familie und Freundschaft – sich herauszuhalten hat, nicht zu dekretieren hat, denn alles andere wäre autoritär und monistisch. Damit steht der Liberalismus immerhin in der großartigen Tradition der klassisch-griechischen Staatlichkeit, vor allem zu Zeiten der attischen Demokratie, in welcher die Sphäre des Öffentlichen, des Bürgerlichen, des Politischen – also die Polis -, an der die Vollbürger als Freie und Gleiche partizipieren dürften, von der Sphäre des Privaten, des Wirtschaftlichen, des eigenen Haushalts, in dem auch sozioökonomische und –kulturelle Unterschiede weiter bestehen dürften – also der Oikos – streng zu separieren war, und die Sphären eigentlich nicht vermischt werden sollten, um in der Politik nicht von Privatinteressen manipuliert zu werden. Diese klassische Teilung ist aber partiell obsolet, so könnte die praktische Philosophin Rahel Jaeggi behaupten, folgt man ihrer Habilitationsschrift Kritik von Lebensformen. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Debatte, Kapitalismus, Kultur, Linke Literatur, Rezension | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Es ist wie es ist

Im Zuge der aktuellen Demonstrationen gegen den israelischen Militäreinsatz kommt es landauf, landab auch zu unschönen israelfeindlichen, gar antisemitischen Ausbrüchen der deutschen und zugereisten Volksseele. Ja, es gibt, wie vom Berliner Linkenchef Klaus Lederer im Tagesspiegel beklagt, Plakate “wo Davidstern und Hakenkreuz kombiniert wird oder „Gestern angeblich Opfer, heute Täter“ geschrieben steht”. Und richtig ist auch, dass Teile der westdeutschen Linken solche Demonstrationen organisieren und tatkräftig unterstützen. Dabei stört es die Genossen zwischen Elbe und Rhein auch nicht, wenn der eine oder andere Bündnispartner ein fröhliches “Jude,Jude,feiges Schwein,komm heraus und kämpf alleine!” in das progromgeschwängerte deutsche Sommerloch ruft. Weiterlesen

Veröffentlicht unter Antisemitismus, Bundespartei, Bundestagsfraktion, Kommentar, LINKE | 3 Kommentare

Eine Bücherkolumne über linke Autoren

Es ist kein Wunder, dass die meisten Schriftsteller und Intellektuellen politisch gesehen links der Mitte zu positionieren sind. Die Teile der Intelligenzija, die nicht egoistisch daran dachten, ihre Fähigkeiten zur Mehrung des eigenen Vorteils einzusetzen, sondern aus moralischen, ja ethisch-normativen Intentionen heraus agierten, waren die meiste Zeit progressive Intellektuelle, die versuchten, politische und soziale Gerechtigkeit herzustellen oder diese zu verbessern. Daraus ergibt sich ergo aus gutem Grund eine linke, sozialkritische Perspektive, zumal da der Kapitalismus als System nicht den Wohlstand jedes Einzelnen verbessert, sondern nur den einiger weniger. Sogar viele Kritiker des Sowjetsystems kritisierten ja keinesfalls den Sozialismus per se, sondern setzen sich häufig für diesen gegen das Unrechtsregime ein und wurden so zu linken Dissidenten in der kommunistischen Diktatur. Weiterlesen

Veröffentlicht unter In eigener Sache, Kapitalismus, Kultur, Linke Literatur | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar